Märchenerzähler
Frank Jentzsch

   
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Katze auf Dovre (F. Jentzsch nach Asbjörnsen / Moe: Norwegische Märchen)


1) Text


Es war einmal ein Mann von Finnmark, der hatte einen großen Eisbären gefangen, den wollte er dem König von Dänemark zum Geschenk brinken. Aber der Weg war weit, und er mußte zu Fuß gehen und den Bären führen.

Und so kam er am Jul-Abend – was bei uns Weihnachten ist - beim Dovreberg an, da standen nur eine Handvoll Holzhütten. Er ging zur ersten Hütte - die gehörte dem Halvor - und klopfte an die Tür. Halvor öffnete: "God Dag, was willst du?". "Oh, Kannst du mir in deiner Hütte ein Nachtquartier geben – für mich und den Bären?. »Ach Gott bewahre!« sagte Halvor, » an jedem Jul-Abend haben wir hier das Haus voller böser Trolle, wir müssen selber fliehen, und haben dann kein Dach über dem Kopf !«. »Na, deswegen kannst du mir die Hütte ruhig überlassen« ,sagte der Mann aus Finnmarken, »ich habe keine Angst, und der Bär: sieht der aus, als wenn er Angst hätte?" Sie handelten eine Weile hin und her, aber dann wurde es ihm erlaubt.

Halvor mit den Seinen floh, denn er hatte Angst. Der Mann aus Finnmark legte sich in den Alkoven und schloß die Türen, da war es gemütlich warm. Der Bär kroch unter den hochbeinigen eisernen Ofen, hinter dem das Birkenholz trocknete. In der Hütte war aber alles für die Trolle vorbereitet. Der Tisch war gedeckt mit Rahmgrütze, Lutefisch (Kabeljau) und Würstchen und lauter guten Sachen, grad wie zu einem prächtigen Gastgelage.

Bis Mitternacht blieb alles ruhig. Aber dann sprang die Tür auf, und die Trolle kamen herein, große, kleine, mit langen Schwänzen, manche auch schwanzlos, manche so alt, daß ihnen das Moos auf Kopf und Schultern wuchs......und einige hatten lange, lange Nasen. Sie liefen um den Tisch herum, schnüffelten und begannen von allem zu kosten und zu schmausen. Plötzlich sah eins von den Trolljungen den Eisbären unter dem Ofen liegen, nahm ein Stück Wurst, spießte es auf die Gabel, briet es am Feuer, und als es ganz heiß war, ging zu dem Bären und steckte es ihm in die Nase. »Katze ,willst du Wurst haben?«; schrie er. Der Bär verbrannte sich, fuhr auf, brummte und jagte die ganze Trollbande hinaus. Da war Ruhe am Jul-Abend.

Übers Jahr, am Morgen des Julfestes, dachte Halvor , die Trolle kämen wieder und wollten ihr Festessen haben, und er begann vor der Hütte Holz zu hacken. Da hörte er plötzlich aus dem Walde seinen Namen rufen: »Halvor, Halvor!«
“Ja?«, rief Halvor. »Ist die große weiße Katze noch bei dir?« Halvor mußte lachen, aber dann rief er: »Ja, die ist noch bei mir, und sie hat sieben Junge bekommen,und die sind größer und böser als die Alte<. >Dann kommen wir nicht wieder!« riefen die Trolle; und seit der Zeit haben die Trolle nie mehr Jul-Grütze gegessen bei Halvor auf Dovre, und Halvor hat mit den Seinen immer friedlich Julklapp feiern können.

2) Deutung

Der dunkle Bär im Märchen erinnert an ungeläuterte Triebe in uns. Der weiße Bär in "Katze auf Dovre" dagegen ist bereits weiß, ist bereits geläutert. Der Mann von Finmark hat ihn vermutlich geläutert, kann ihn führen.
In Halvors Hütte liegt der Bär unter dem Ofen: die Bärenkräfte unter dem Herzen des Hauses / des Leibes. Unter dem Herzen aber sind beim Menschen die Eingeweide. Wenn mit den Eingeweiden alles stimmt, dann sagt der Amerikaner : "This guy got guts!" (Der hat Eingeweide) und meint damit: "Der hat Mumm, der hat Mut!" Wenn etwas mit der Verdauung aber nicht stimmt, dann hat der Mensch keinen Mumm sondern (Verzeihung!) „Schiß“.

Dann ist es Julabend – Weihnachten, die dunkelste Zeit im Jahr. Um Mitternacht, zur dunkelsten Zeit des Tages, kommen die Trolle. Aber wo der weiße Bär ist, haben sie keinen Platz. Bemerkenswert ist, daß die weißen Kräfte herausgefordert, gereizt werden müssen. Man kann einmal vergleichen mit Herodes und der Christgeburt...

(Frank Jentzsch 8.2.2008)

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