Märchenerzähler
Frank Jentzsch

   
  Über mich
 
  Termine
  Hörproben
  Repertoire
 
  Erzählstunden
  Sprachförderung
  Märchen-Seminare
  Märchen-Vorträge
  Märchen-Deutung
 
  Kosten
 
  Für Veranstalter
  Kindergarten
  Schule
  Studenten
  Erwachsene
  Frauen
  Senioren
  Hospiz
  Kirche
  Klinik
  Psychiatrie
  Museum
   
 
   
  Kontakt
   

 

 

 

Übersetzungen aus dem Englischen:

 

von Henry Wadsworth Longfellow, John Greenleaf Whittier, Walt Whitman, Elisabeth Bishop und Paul McCartney

Englisches Original
Übertragung von F. Jentzsch

1) Henry Wadsworth Longfellow (1807 – 1882)

"Saint Francis to the Birds"

 

Frank Jentzsch:

"Der heilige Franziskus an die Vögel"

Up soared the lark into the air,
A shaft of song, a winged prayer.
As if a soul, released from pain,
Were flying back to heaven again.

St. Francis heard; it was to him
An emblem of the Seraphim;
The upward motion of the fire,
The light, the heat, the heart‘s desire.

Around Assisi‘s convent gate
The birds, God‘s poor who cannot wait,
From moor und mere and dark-some wood
Came flocking to their dole of food.

“0 brother birds,“ St. Francis said,
“Ye come to me and ask for bread,
But not with bread alone to-day
Shall ye be fed and sent away.

‘Ye shall be fed, ye happy birds,
With manna of celestial words;
Not mine, though mine they seem to be,
Not mine though they be spoke through me.

0, doubly are ye bound to praise
The great Creator in your lays;
He giveth you your plumes of down,
Your crimson hoods, your cloaks of brown,

He giveth you your wings to fly
And breathe a purer air on high,
And careth for you everywhere,
Who for yourselves so little care!“

With flutter of swift wings and songs
Together rose the feathered throngs,
And singing scattered far apart;
Deep peace was in St. Francis‘ heart.

He knew not if the brotherhood
His homily had understood;
He only knew that to one ear
The meaning of his words was clear.

 

Die Lerche stieg auf in die Lüfte weit,
beschwingtes Beten, ein strahlend Lied
der Seele gleich, die leidbefreit
heimwärts hinauf zum Himmel zieht.

Franziskus lauscht‘: es schienen ihm
ein Sinnbild heiliger Seraphim
die Flammen, die nach oben leben,
das Licht, die Wärme, Herzens Streben.

Die armen Vögel von Teich und Moor,
vom schattigen Wald zum Klostertor
sind sie geeilt und drängen, bangen,
der Speisung Anteil zu empfangen.

“Ihr Vögel kommt“, Franziskus spricht,
“und fordert Brot, das euch gebricht,
doch sollt ihr nicht mit Brot allein
gespeiset und entlassen sein!

Ihr lieben Vögel, seid ernährt
vom Manna himmlischer Worte Wert!
Ich sprach sie zwar bescheidentlich,
sie scheinen mein, doch sind sie‘s nicht.

Ohn‘ Ende solltet ihr IHN preisen,
dem großen Schöpfer Dank erweisen:
Er gibt euch euer Kleid von Daun‘,
den roten Hut, den Mantel braun.

Er gibt die Schwingen euch zum Steigen,
die reinere Luft der Höh‘n zu eigen,
Er, der stets sorgend für euch wacht,
die ihr euch wenig Sorgen macht.“

Mit Sang auf leichten Flügeln eilend
und bald im Umkreis sich verteilend
erhob sich froh die Federschar.
Franziskus‘ Herz voll Friede war.

Ob seine Brüderschar verstand
die Predigt, blieb ihm unbekannt.
Er wußte nur: dem Einen Ohr
kam klar sie und verständlich vor.

     

2) John Greenleaf Whittier (1807 – 1892)
"Snow Bound"

Frank Jentzsch: "Im Schneesturm"

Unwarmed by any sunset light,
The gray day darkened into night.
A night, made hoary with the swarm
And whirl-dance of the blinding storm,
As zigzag wavering to and fro
Crossed and recrossed the winged snow.

Kein Abendrot erwärmt` ihn sacht:
Der alte Tag versank in Nacht,
In Nacht, vom Flugschnee grau verwirrt,
der hin und her im Zickzack irrt,
im wogenden Wirbeltanzesmeer
des blinden Sturms, verkreuz und quer.

 

 

3) Walt Whitman (1819 – 1892)
"The Voice of the Rain

Frank Jentzsch: "Die Stimme des Regens"

And who art thou? said I to the soft-falling shower,
Which strange to tell, gave me an answer, as here translated: I am the Poem of Earth, said the voice of the rain, Eternal I rise impalpable out of the land and the bottomless sea, Upward to heaven, whence, vaguely form‘d, altogether changed, and yet the same, I descend to lave the drouths, atomies, dust-layers of the globe. And all that in them without me were seeds only, latent, unborn; And forever, by day and night, I give back life to my own origin, and make pure and beautify it.

 

Wer aber bist du? fragte ich den sanft fallenden Regen, und er, so seltsam es klingt, gab mir zur Antwort, wie hier übertragen: Ich bin das Lied der Erde, so sprach die Stimme des Regens. Ewig steige ich, unbemerkt, vom Lande und der grundlosen See aufwärts zum Himmel, von wo ich, flüchtig geformt, völlig verändert und doch derselbe, niedersteige, die Dürre zu tränken, das Zerfallene, die Staubschichten des Erdenrunds. Und alles, was in ihnen liegt, bliebe ohne mich Keim, ungeboren, verborgen; und unaufhörlich, bei Tag und bei Nacht, belebe ich wieder den eigenen Ursprung, läutere ihn und verleihe ihm Schönheit.

     

4) Elisabeth Bishop (1927 – 1977) "ONE ART"

Frank Jentzsch: "EINE KUNST"

The art of losing isn‘t hard to master;
so many things seem filled with the intent to be lost
that their loss is no disaster.

Lose something every day!
Accept the fluster of lost door keys, the hour badly spent.
The art of losing isn‘t hard to master.

Then practice losing farther, losing faster:
places, and names, and where it was you meant to travel.
None of these will bring disaster.

I lost my mother‘s watch. And look! my last,
or next-to-last, of three loved houses went.
The art of losing isn‘t hard to master.

I lost two cities, lovely ones. And, vaster,
some realms I owned, two rivers, a continent.
I miss them, but it wasn‘t a disaster.

— Even losing you (the joking voice, a gesture I love)
I shan‘t have lied. lt‘s evident:
the art of losing‘s not too hard to master
though it may look like (Write it!) like disaster.


 

Verlieren ist nicht schwer zu lernen.
So viele Dinge möchten offenbar verloren gehen,
dass ihr Verlust kein Unheil ist.

Verliere etwas jeden Tag!
Die Aufregung, die verlorene Schlüssel stiften,
nimm sie gelassen hin, die so vertane Stunde.
Verlieren ist nicht schwer zu lernen.

Dann übe und verliere weiter, schneller
aus dem Gedächtnis: Orte, Namen, Reiseziele.
Keins bringt dir Unglück, wären es auch viele.

Der Mutter Uhr verlor ich — und schau:
mein letztes oder vorletztes von drei geliebten Häusern ging dahin. Verlieren ist nicht schwer zu lernen.

Zwei wundervolle Städte büßt‘ ich ein,
und ferner einige Reiche, mir zu eigen,
zwei Flüsse, einen Kontinent. Vermissen tu ich sie,
ein Unglück aber war es nicht.

Selbst Dich verlieren (die lustige Stimme, eine Geste, die ich liebe) Ich werde nicht zu viel versprochen haben; es ist ja offenbar: Verlieren ist nicht allzu schwer zu lernen,
obwohl es ausseh‘n mag (ja, schreib es nur!) wie Unheil.

 

     

5) John Greenleaf Whittier (1807—1 892)

Forgiveness

Frank Jentzsch: "Verzeihen"

My heart was heavy, for its trust had been
Abused, its kindness answered with foul wrong;
So, turning gloomily from my fellow-rnen,
One summer Sabbath day I strolled among
The green mounds of the village burial-place;
Where, pondering how all human love and hate
Find one sad level; and how, soon or late,
Wronged and wrongdoer, each with meekened face,
And cold hands folded over a still heart,
Pass the green threshold of our common grave,
Whither all footsteps tend, whence none depart,
Awed for myself, and pitying my race,
Our cornmon sorrow, like a mighty wave,
Swept all my pride away, and trembling I forgave!
  Das Herz lag schwer mir in der Brust,
denn sein Vertrauen hatte man mißbraucht,
mit niederträchtiger Täuschung seine Offenheit gelohnt.
So wandte ich betrübt mich ab von den Gefährten.
An einem Sommer - Sabbath ging ich zwischen
den grünen Hügeln des Dorffriedhofes still dahin
und sann darüber nach, wie alle menschliche Liebe
und aller Hass am Ende traurigen Ausgleich finden,
und wie Betrogene und Betrüger, bald oder später,
mit bescheid‘ner Miene die kalten Hände über stillem Herzen falten, die grüne Schwelle unseres Grabes überschreiten,
wohin ja alle Schritte führen und keiner wiederkehrt.
Aufrecht stand ich - doch voller Mitleid mit den Meinen.
Da schwemmte, einer mächtigen Woge gleich,
ach, unser aller Leid den eitlen Stolz in mir davon,
erschauern fühlt‘ ich mich, und ich vergab.
     

6) Paul McCartney: "Blackbird"

  Frank Jentzsch: "Amsellied"

Blackbird singin‘ in the dead of night,
Take these broken wings and learn to fly;
All your life: You are only waiting
For this moment to arise.

l3lackbird singin‘ in the dead of night,
Take these sunken eyes and learn to see;
All your life: You‘re only waiting
For this moment to be free.
Blackbird fly, Blackbird fly
Into the light of a dark black night.

Ein Arnsellied in tiefster Mitternacht:
Heb` die gebroch‘nen Schwingen, steige!
Ein Leben lang hast du auf diesen Augenblick
Gehofft, dich zu erheben!

In tiefster Mitternacht ein Amsellied:
Die eingesunk‘nen Augen öffne, sieh!
Ein Leben lang ertrugst du Fesseln,
Sei nun frei!
Flieg, Vogel, flieg, ins Licht hinein,
das in der tiefsten Finsternis dir scheint!

Die Übersetzungen 1- 5 sind entnommen Paul Allen: "Bruder Sonne, Schwester Tod" Der spirituelle Weg des Franz von Assisi, ISBN 3-8251-7192-2 und Manfred van Doorn: "Universal Man" Urmotive der menschlichen Biografie, ISBN 3-8251-7139-6

 

Zurück zur Übersicht "Gedichte"